Geburtsbericht Katharina Sophie
geboren am 22.04.2010, 2.990g, 50cm

Liebe
Steffi!
Nachdem wir nun wieder zuhause sind, der Geburtsbericht von uns!
Ursprünglicher Geburtstermin war am 15.4.2010, geboren ist unsere
Tochter wie
meine anderen Kinder auch eine Woche später, am 22.4.2010, morgens um
3:28 Uhr.
Ab der 35. Woche hatte ich nächtelang Vorwellen, immer zwischen 1.00 und
5.00
früh. Zu wenig, etwas zu bewirken, aber zu viel um ruhig zu schlafen.
Das war wirklich kräftezehrend, weil es mir einfach die Möglichkeit
genommen
hat, mich nachts auszuruhen und zu regenerieren.
Bereits in der 37ten Woche habe ich den Schleimpfropf verloren und in
Verbindung mit den Vorwellen war ich FEST davon überzeugt, dass das Kind
vor
dem 15.4. kommen würde.
Ich bin brav 1 mal in der Woche zur Osteopathin gegangen und seit der
36ten
Woche 1 mal wöchentlich zur Akupunktur. Obwohl ich den Akupunkteur
regelrecht
angefleht habe, den Geburtsprozess ANZUKURBELN, hat mich die Akupunktur
jedes
Mal buchstäblich "niedergestreckt" - ich war nachher so
"runterreguliert", dass ich den Rest des Tages nur noch geschlafen
habe.
Überhaupt war ich total FERTIG am Ende, obwohl "nur" 11kg mehr als
sonst, das lag wohl an meinen 40 Jahren und der Tatsache, dass es eben
DOCH
schon das 4. Kind war...
Der Bauch allerdings hat sich bis Woche 41 NICHT abgesenkt. Ich hatte
zwar
nicht viel Bauch, habe ausgesehen, als hätte ich einen Basketball
verschluckt -
aber das Kind war bis zum Schluss trotz aller Vorwellen weit oben und
hat sich
nicht richtig im Becken eingestellt.
Der 15.4. verging dann auch OHNE irgendwelche Anzeichen. Wir haben in
der
folgenden Woche ALLES probiert, was angeblich geburtseinleitend wirken
soll:
warme Bäder, ein Glas Rotwein, das ein oder andere Schäferstündchen,
schon
WIEDER Akupunktur (!!), schon WIEDER Osteopathie, die Ballonfahrt aus
den Hypnobirthing-Unterlagen
- NICHTS.
Am 21.4. wollte ich eigentlich den Hebammencocktail trinken, habe aber
im
Internet einige Warnungen gelesen und es dann seingelassen. Stattdessen
habe
ich mir den "Geburtstee" gemacht: Eisenkrauttee, Zimt, Ingwer und
Nelken miteinander lange ziehen lassen. Sollte nach 1-2 Tagen wirken.
Pünktlich 24 Stunden später ENDLICH habe ich tatsächlich die ersten
Wellen
gespürt.
Nachmittags am 21.4., Wellen alle 10-11 min.
Ich habe das NICHT ernst genommen vor dem Hintergrund der letzten Wochen
und
habe mich an den PC gesetzt, mich ins Firmen-Netzwerk eingeloggt und
einen
Klienten gebucht. Ausgangsrechnungen eines Sanitärhandels, zwischendurch
habe
ich die Wellen-Abstände notiert: alle 10 min.
Ich habe das ignoriert (tat auch nicht wirklich weh) und in aller Ruhe
weiter
gearbeitet.
Am Abend kam Reinhold mit den Worten: "Denkst Du dran, heute Abend ist
Hausverwaltungs-Sitzung". Ich gab zu bedenken, dass ich
VIIIIIEEEEELLLEEEIIICHT die ersten Wellen spüre.
"Jaja" sein Kommentar - er hat mich ebenfalls absolut nicht mehr
ernst genommen - zu viele Nächte mit Wellen in den letzten Wochen!
Um 21.00 haben wir die Sitzung als erste verlassen, Wellen immer noch im
10-Minuten-Takt.
Immer noch Unsicherheit - naja, gehen wir zuhause mal in die Badewanne,
dann
wissen wir mehr, haben wir uns gedacht.
Gesagt, getan - ein Klasse Gefühl! Das warme Wasser lässt wirklich nur
noch
einen Druck zurück, das unangenehme Ziehen während der Wellen
verschwindet fast
ganz. Die Wellen allerdings auch - Abstände alle 15 Minuten.
Also - raus aus der Wanne, 22.30 Uhr. Rein ins Bett, die
Regenbogen-Entspannung
im mp3-Player ans Ohr.
Ich kann mich gut entspannen, Wellen alle 20 min.
Reinhold schnarcht bereits.
Ich resigniere schon - wieder nur heiße Luft?? Langsam werd´ ich richtig
SAUER.
Wie lange soll das eigentlich noch so weitergehen??
Und DANN wird es 1.00 Uhr. Die magische Zeit, in der die letzten 4
Wochen die
Übungswellen immer angefangen haben.
Wellen alle 5 Minuten. AUA!! Ich versuche, Ballons aufzublasen, alles
locker zu
lassen, stelle mir orangefarbenen Nebel vor. Es gelingt mir jedoch nicht
ganz,
NUR Druck und KEINERLEI Schmerz zu empfinden, so sehr ich auch versuche,
mich
zu entspannen.
Aber es geht.
Ich stehe wieder auf, gehe wieder in die Wanne. Sofort ist alles BESSER.
Soooo
angenehm ist das Wasser. Im Bett schnarcht Reinhold.
Abstände alle 6 Minuten. Immer noch nicht wirklich so, dass ich mir
denke, es
wird was draus.
1.20 Uhr. Raus aus der Wanne, ich kann ja nicht ewig da drin sitzen,
wenn
nichts weitergeht, denke ich.
Ich will mir den Fernseher anschalten, da geht´s los: Wellen alle 3
Minuten,
Druck auf´s Kreuzbein.
Ich verliere meine Gemütsruhe, kann nicht mehr entspannen. Jetzt muss
der
Kindsvater DOCH das Bett verlassen.
Im Auto gelingt es mir, meine Entspannung wieder zu finden, allerdings
habe ich
mehrere Wellen ohne Pause. Um 1.50 sind wir im Krankenhaus.
Die Hebamme mustert mich kurz und meint: "na dann gehen wir halt mal in
den Kreissaal..." Ich sehe nicht aus wie eine Frau, die heute noch
entbinden wird. Aber nachdem genügend freier Platz ist, ziehen wir ein.
Sie verschwindet kurz, um sich über uns zu informieren. 3 Wochen vorher
haben
wir uns hier im Krankenhaus angemeldet und unsere Wünsche angegeben:
KEINE Wehenmittel, auf keinen Fall einen Dammschnitt, KEINE Eingriffe
irgendwelcher Art, ohne vorher zu fragen, wenn es irgendwie geht wollen
wir
eine Wassergeburt.
Innerhalb von 5 Minuten hat sie alles gelesen und ist im Bilde. Während
der
gesamten Entbindung wird unseren Wünschen nun voll Rechnung getragen.
Die erste Untersuchung ergibt 3-4 cm Muttermund, also noch nicht so
doll...
Nicht ganz 5 Wellen später spüre ich den ersten Druck nach unten und
möchte
etwas gegen die Übelkeit. Das veranlasst die Hebamme, mich noch einmal
zu
untersuchen.
Muttermund 8 cm und total weich. Geht doch! Ich kann NICHT sagen, dass
ich
keine Schmerzen habe. ABER die Wellen sind relativ kurz und immer noch
in 3-4
min-Abständen, sodass ich mit Hilfe der langsamen Atmung immer noch ganz
gut
drüberkomme. Anders als bei meinen vorangegangenen Geburten verspüre ich
keinerlei Angst oder Panik, ich habe auch noch nicht das Gefühl, es
nicht
schaffen zu können.
Bei 8cm Muttermund möchte ich in die Geburtswanne gehen.
(Erstaunlich für mich bis dahin: ich habe noch keinerlei Blutung,
verliere
keinen Schleim oder sonst irgendetwas. Mein Muttermund scheint noch
total
"heil" zu sein.)
Ich brauche gleich zu Beginn das Wasser recht kühl, mehr als 32°C hat es
sicher
nicht.
Jede Welle ist jetzt effektiv. Immer noch sind die Abstände relativ
groß, die
Wellen kurz.
Noch bei 9cm lehne ich in den Pausen am Wannenrand, wir quatschen noch
und ich
lasse den Spruch: "mal sehen, was noch kommt. Bis JETZT war´s nicht so
schlimm."
5 Wellen später ist der Muttermund offen.
Jetzt hält uns die Fruchtblase zurück - sie ist noch vollständig
erhalten, das
Kind hat sich noch nicht einmal abgesenkt, durch die Blase ist es trotz
verstrichenem Muttermund noch ganz oben im Becken. Und - turnt immer
noch
höchst lebhaft in mir herum!!
Jetzt fragt die Hebamme, ob sie die Blase aufmachen darf, denn "dann
haben
wir ein Kind" - meint sie. Ich nehme sie nich einmal annähernd ernst.
Aber
für diese ungeplante "Intervention" bin ich nun sehr dankbar. Sie
öffnet die Blase und mit einer einzigen Welle schiebe ich meine Tochter
nach
unten, mit einer weiteren Welle presse ich sie komplett heraus.
In unserem Geburtsbericht steht: Blasensprengung 3:28 Uhr, Geburt 3:28
Uhr! Das
ist nur 1 Stunde und 40 Minuten nach unserer Ankunft im Krankenhaus.
Sensationell!! Und das bei MIR, die ich für meine ersten beiden Kinder
ganze 24
Stunden mit den Wehen "gekämpft" hatte und letztendlich völlig
erschöpft mit Hilfe von Wehenmitteln jedes Mal "befreit" werden
musste...
"Herunteratmen" habe ich nicht mehr geschafft. Ich hatte zwar
erstmals KEINEN Pressdrang, wollte aber die Geburt beenden und habe alle
Kräfte
mobilisiert, weil die Schmerzen in den letzten 15 Minuten erheblich
waren und
mich auch wieder laut schreien lassen haben.
Immerhin NUR 15 Minuten - bei meinen anderen Kindern war die Zeit, in
der ich
so sehr laut war, erheblich länger.
Die Kleine ist mit einer einzigen Presswelle und 3 mal Pressen komplett
herausgerutscht. Von wegen zuerst der Kopf, dann Pause, dann der Rest!
Katharina kam gleich ganz, der Damm hat´s ohne einen Kratzer
ausgehalten.
Leider hat die Hebamme das Wasser sofort herauslassen müssen, weil
vorher die
Zeit für einen Einlauf nicht gereicht hatte und das Wasser erhebliche
Mengen
des Durchfalls abbekommen hat, den ich an diesem Tag hatte. Es war
wirklich
ordentlich versaut und hat auch nicht gut gerochen - leider...
Da hatte auch das Sieb keine Chance, so sehr sich die Hebamme auch
bemüht hat.
So haben wir nur die Nabelschur auspulsieren lassen, Reinhold hat sie
durchgeschnitten und wir sind (total freiwillig) schnell aus der Wanne
gestiegen.
Katharina hatte einen wunderschönen, völlig unverformten Kopf, hat
gleich total
wach aus der Wäsche geschaut und nach einem ganz kurzen Schrei direkt
nach dem
Auftauchen aus dem Wasser dann auch keinen Laut mehr von sich gegeben.
Ach ja: Katharina
Sophie, 2.990g, 50 cm, Kopfumfang 34cm
FAZIT:
Ich konnte mich bis kurz vor der Austreibungsphase sehr gut mit der
Regenbogenentspannung und vor allem mit der langsamen Atmung entspannen.
Am Schluss während der Austreibung war leider alles aus der
Hypnobirthing-Vorbereitung vergessen. Diese Phase ist für mich (und
bleibt es
offensichtlich) einfach ein "brachialer Akt". Ich habe auch diesmal
wieder sehr geschrieen.
ABER ich hatte zu keinem Zeitpunkt Angstgefühle. Kein
"ich-kann-nicht-mehr",
kein "ich-will-nicht-mehr" und mit keinem einzigen Gedanken hätte ich
irgendwann an Schmerzmittel gedacht.
Reinhold hat mich zum Schluss angeleitet, in den Bauch zu atmen. Seine
Stimme
war das Einzige, was noch zu mir durchgedrungen ist. Ohne ihn wäre ich
vermutlich erstickt, so sehr habe ich die Luft angehalten.
Auch hatte ich tagelang Muskelkater, so sehr habe ich mich die letzten
20
Minuten verspannt und verkrampft. Nicht ideal, aber sehr schnell vorbei
:-))
Ich bin mit dem Thema "Geburt" nun endlich versöhnt, ich KANN
gebären, und zwar aus eigener Kraft, ohne Wehenmittel, ohne
Schmerzmittel und
ohne sonstige Eingriffe.
Ganz wichtig für mich: ich hatte diesmal erstmalig KEINE Todesängste in
der
letzten Phase. Vor diesem "Grenzgang" hatte ich mich vorher am
meisten gefürchtet. Diese Art von Gefühlen ist gänzlich ausgeblieben.
Das ist mehr, als ich jemals zu hoffen gewagt hatte!
Ich danke Euch sehr, Hypnobirthing hat mir sehr geholfen, angstfrei und
locker
in die Geburt zu gehen und auch während der Geburt zu jeder Zeit meine
Zuversicht zu erhalten.
In den Monaten vorher habe ich durch die regelmäßige Entspannung sehr
viel
Kraft tanken können.
Liebe Grüße aus Salzburg senden Euch
Gabi und Reinhold mit
Anna Lena, Florian, Felix und Katharina Sophie