Geburtsbericht Simon   

geboren am 15.05.2010
 

Liebe Steffi!

Ja, uns gehts richtig gut! Unser kleiner Simon ist ein richtiges Sonnenkind, abgesehen von gelegentlichem Bauchweh ist er ein ganz ganz zufriedenes, entspanntes Baby. Schon mehreren Leuten ist aufgefallen, dass er - egal ob im Schlaf oder wach - allermeistens die Hände offen hat und nicht zu Fäusten geballt, wie es wohl viele Babys machen!

Hier eine Kurzfassung:

Simon ist am Samstag, 15.Mai 2010 um 17.10 geboren.
An der schmerzfreien Geburt arbeite ich noch, da brauch ich wohl noch ein paar mehr Kinder ;). Allerdings war es im Vergleich zu dem, was andere Frauen erleben, wahrscheinlich ziemlich harmlos. Insgesamt war die Geburt ohne jegliche Probleme und vor allem ziemlich schnell (vor allem für eine Erstgeburt) und Bernhards Anwesenheit und seine Bestärkung und Erinnerung an Entspannung etc. hat mir ganz ganz ganz viel geholfen. Und wie ich es mir vorgestellt hatte, ist Simon dann auch tatsächlich im Wasser auf die Welt gekommen.

Und wir sind überglücklich, dass das alles ohne Technik, Medizin, Krankenhaus, ..., gegangen ist, sondern einfach ohne irgendwas drumherum bei uns zu Hause. Das war wirklich wunderschön, sowohl für die Geburt selbst als dann auch die Zeit direkt danach. Und netterweise hat sich unser Sohn auch einen Zeitpunkt eine Woche vor dem errechneten Termin ausgesucht, so dass wir von irgendwelchen zusätzlichen Kontrolluntersuchungen absolut verschont geblieben waren.

Langer Geburtsbericht:

Am Samstag, 15. Mai 2010, wache ich wesentlich früher auf als sonst und spüre ziemlich schnell, dass heute alles anders ist als sonst. Auch wenn mein Verstand im Laufe der nächsten Stunden immer wieder zweifelt, weiß ich es eigentlich sofort: heute kommt unser Kind auf die Welt.

Ich hole mir die Musik, die ich am vorigen Abend noch zur Entspannung gehört habe, schalte auf „repeat“ und döse noch eine ganze Zeitlang vor mich hin. Das Ziehen im Bauch ist eindeutig stärker und häufiger als die letzte Woche – entspannen ist da gar nicht mehr so einfach. Aber mit den Affirmationen und inneren Bildern, die ich mir in den letzten Wochen „ausgemalt“ habe, geht’s ganz gut. Ständige Darmentleerungen und starker Ausfluss (Blasensprung ist es meiner Meinung nach nicht, dafür ist es zu wenig) bestärken mein Gefühl, dass mein Kind und ich uns auf dem Weg zur Geburt befinden. Plötzlich spüre ich ganz stark einen Abschiedsschmerz, den ich mir vorher gar nicht habe vorstellen könne. Abschied von unserer Zweisamkeit, von meinem Kind in mir, das erste Loslassen.

Nach einiger Zeit stehe ich auf und frühstücke. Dann suche ich eine Gelegenheit, meinem Mann zu sagen, was los ist. Das ist allerdings nicht so einfach, denn der arbeitet noch in seiner Bäckerei im Erdgeschoss unseres Hauses, und ständig sind irgendwelche Leute in der Nähe. Schließlich ist er um ca. 10.00 Uhr fertig und möchte sich noch hinlegen, um wenigstens noch etwas Schlaf zu bekommen (er hat ja die ganze Nacht gearbeitet), bevor es richtig losgeht. Ich lege mich auch wieder hin und wir versuchen beide zu schlafen, doch daraus wird nicht viel. Die Wellen werden langsam stärker und ich habe sehr sehr intensive Gefühle dabei. Es fließen Ströme von Tränen aus mir heraus – ich weiß nicht, worüber ich weine, aber ich weiß, dass damit innere Blockaden schmelzen und der Weg frei wird für unser Kind. Bernhards Gegenwart und Nähe geben mir den Mut, diese starken Gefühle zuzulassen.

Irgendwann sind alle Tränen geweint. Ich bitte Bernhard, mir während den Wellen Affirmationen zu sagen und das ist sehr, sehr hilfreich für mich. In den Pausen sage ich mir selbst laut Affirmationen, was den positiven Nebeneffekt hat, dass Bernhard weiß, was für mich gerade wichtig ist. Zeitgefühl habe ich schon lange nicht mehr, aber als sich mein Magen entleert und das Frühstück im vorsichtshalber bereitgestellten Eimer landet, bin ich mir sicher, dass das alles jetzt keine Einbildung mehr ist.

Ich bitte Bernhard, die Hebamme anzurufen. Die möchte dann erst mal Wehenabstände wissen, die können wir ihr aber nicht sagen, ich habe nämlich während der ganzen Geburt kein einziges mal auf die Uhr geschaut (was ich sofort wieder so machen würde – eine Uhr hat für mich bei einer Geburt gar nichts zu suchen!). Dann will sie mich sprechen – wohl um zu „testen“, wie weit es schon ist. Ich bin zwar wenig begeistert, mich aus dem Bett zu quälen (unser Telefonkabel ist nicht lang genug), tue es aber doch und rede mit ihr. Ihr Schluß ist „das dauert noch“. Sie schlägt vor, noch nicht zu kommen, da sie Bedenken hat, mich mit ihrer Anwesenheit unter Druck zu setzen. Und nochmal heimfahren kann sie nicht, da sie einen sehr weiten Weg hat. Ich bin damit einverstanden und froh, dass ich mich wieder ins Bett verkriechen kann. Die Wellen werden stärker und brauchen meine ganze Konzentration. Ich habe nicht mehr das Gefühl, dass das noch lange dauert...  Ich entspanne mich, so gut ich kann, weiterhin mit Bernhards Unterstützung, während die Wellen kommen und gehen und mir nicht viel Zeit zum Nachdenken lassen. An zwei Wellen kann ich mich sehr deutlich erinnern: während diesen war ich aus irgendeinem Grund völlig verkrampft – und das war die Hölle. Von daher weiß ich im nachhinein, dass ich zwar nicht wirklich entspannt war (Bernhards Kommentar nach der Geburt: „also leiser habe ich mir das ganze schon vorgestellt!“), aber schon ein gutes Stück weit auf dem Weg zur Entspannung gekommen bin. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass es ohne die Affirmationen und inneren Bilder von vorne bis hinten eine Qual gewesen wäre.

Irgendwann ist mir klar: ich will ins Wasser. (Irgendwann in den letzten Stunden hat Bernhard das Wasser eingelassen, so dass alles bereit ist). Ich brauche dann zwar noch Bernhards Motivation, bis ich mich wirklich aus dem Bett herausschäle, aber als ich im Pool bin, weiß ich, dass das genau das Richtige ist. Bald habe ich das deutliche Gefühl, dass sich in mir nicht mehr nur alles weitet, sondern ganz deutlich nach unten bewegt. Irgendwann traue ich mich dann auch, mal selbst zu tasten und das Ergebnis ist klar: ich komme nicht mehr weit, da ist eindeutig ein Kopf ! Ganz sicher bin ich mir immer noch nicht, ob es jetzt wirklich bald soweit ist, aber ich beauftrage Bernhard, die Hebamme zu rufen.

Ich spüre den Impuls, bei den Wellen mit nach unten zu schieben, bin mir aber nicht ganz sicher, ob ich das auch tun soll oder nicht. Vor allem, weil ich jetzt ein starkes Brennen spüre, das irgendwann auch in den Pausen nicht mehr aufhört. Einen Brennen ist für mich die unangenehmste Empfindung während der Geburt. Ob mit wenig oder viel Mit-Schieben, das weiß ich nicht mehr – auf jeden Fall geht alles weiter nach unten. Diesen unwiderstehlichen Pressdrang, der so oft beschrieben wird, empfinde ich in keinem Moment, worüber ich sehr froh bin. Als ich nochmal vorsichtig mit meiner Hand fühle, ist der Kopf bereits außen spürbar. Immer noch habe ich keine Ahnung, wie lange das noch so weiter geht, aber plötzlich ist einfach der Kopf da! Im selben Moment kommt die Hebamme zur Tür rein. Ich umfange den Kopf von meinem Kind sanft mit meiner Hand und streichle das samtweiche Haar. Dieses Gefühl werde ich nie vergessen. Mit der nächsten Welle gleitet unser Baby aus mir heraus und wird von meinen und Bernhards Händen im Wasser empfangen. Kurz darauf heben wir es aus dem Wasser heraus und legen es auf meine Brust. Unser Sohn ist geboren!

Jetzt bin ich froh, dass die Hebamme da ist und ich mich um nichts kümmern muss, außer unser Baby im Arm zu halten.

Eine unangenehme Sache kommt noch: ich habe einige oberflächliche Scheidenrisse, die die Hebamme nähen muss.


Mein Fazit:

Hypno-Birthing hat mir sehr geholfen, meine Angst vor der Geburt zu verlieren und mich sowohl körperlich als auch seelisch gut auf die Geburt vorzubereiten. Dem Hypno-Birthing-Kurs haben wir es zu verdanken, dass Bernhard ein so wunderbarer Geburtsbegleiter war, der mich aktiv unterstützen und begleiten konnte.

Für Bernhard und mich hat es wunderbar gepasst, dass die Hebamme erst gleichzeitig mit unserem Kind gekommen ist. Ich kann mir gar nicht vorstellen, vorher schon jemanden dabei gehabt zu haben. Das hätte mich bloß abgelenkt und wahrscheinlich sogar gebremst. Der Gedanke ist auch völlig absurd für mich, dass während der Geburt irgendjemand auch nur irgendetwas an mir tastet, misst, untersucht, usw. Das Vertrauen in meine Fähigkeiten als Frau und in die Weisheit meines Körpers (und die meines Kindes!) sind sehr, sehr gestiegen.

Die Scheidenrisse hatte ich meiner Meinung nach deswegen, weil ich mich in der Vorbereitung zwar wunderbar um meinen Damm gekümmert habe, aber nicht auf die Idee gekommen bin, dass sich nach vorne ja auch alles dehnen muss. Das würde ich bei einer nächsten Geburt noch miteinbeziehen.

Unser Leben zu dritt hat begonnen und wird jeden Tag schöner!